Leipzig_Heart_Institute-Grossartiger Nachwuchs -Header

Im Herzzentrum Leipzig und am Leipzig Heart Institute arbeiten nicht nur „alte Hasen“. Viele junge Talente wirken hier als Mediziner und Forscher gleichermaßen. Einer dieser sympathischen und erfolgreichen Newcomer ist Prof. Dr. Dr. med. Philipp Lurz. Er ist derzeit der jüngste Professor am Herzzentrum Leipzig und leidenschaftlicher Forscher. Wir haben uns mit ihm über seinen Weg zur Medizin und seine untrennbare innere Verschmelzung von Medizin und Forschung unterhalten.  

Herzkrankheiten sind der größte Killer in unserer Gesellschaft. Es ist sehr wichtig, das Thema auf einem hohen wissenschaftlichen Level weiter zu erforschen.

Prof. Dr. Dr. med. Philipp Lurz

Wo haben Sie studiert und was waren die für Sie interessantesten Inhalte und Fachgebiete? 

Prof. Lurz: Studiert habe ich an der Universität Leipzig, von 1999 bis 2005. Besonders interessant waren für mich die Themenfelder Anatomie, Physiologie, Kardiologie, Herzchirurgie und ­Vis­zeralchirurgie. Das sind alles Bereiche, in denen Struktur und Funktion in einem direkten Zusammenspiel relevant sind.

Ab welchem Zeitpunkt wussten Sie, dass Sie Kardiologe werden wollen? 

Prof. Lurz: Wie bereits beschrieben, gehörte Kardiologie seit Beginn meines Studiums zu meinen bevorzugten Themenbereichen. Der Wunsch, Kardiologe zu werden, manifestierte sich dann im 3. Studienjahr. Stück für Stück reifte die Idee zu meiner kardiologisch geprägten Doktorarbeit. Sie trägt den Titel „Stammzellentherapie bei Raucherbeinen (pAVK).“

Was ist Ihrer Meinung nach besonders interessant an der Kardiologie?

Prof. Lurz: Neben den sehr spannenden Feldern „Innovation“, „Vielseitigkeit“, „Einbindung der Industrie“ und „Technologie“ ist für mich das Thema Kardiologie deshalb so interessant, weil es eine sehr große Bedeutung für die Gesellschaft hat. Denn Herzkrankheiten sind der größte Killer in unserer Gesellschaft. Es ist sehr wichtig, das Thema auf einem hohen wissenschaftlichen Level weiter zu erforschen. 

Welche Forschungsschwerpunkte haben Sie in den letzten Jahren entwickelt? 

Prof. Lurz: Ich habe hauptsächlich in drei Gebieten geforscht: HFpEF, RDN und AV-Klappen. HFpEF bedeutet übersetzt: heart failure with preserved ejection fraction. Zu deutsch: Herzinsuffizienz mit erhaltener systolischer linksventrikulärer Funktion. RDN steht für Renale Denervierung und ist ein Verfahren, um den Blutdruck zu regulieren. Darüber hinaus habe ich an den sogenannten AV-Klappen (Atrioventrikularklappen) des Herzens geforscht.   

Worauf sind Sie in Ihrer bisherigen Laufbahn besonders stolz? Gibt es besondere Höhepunkte? 

Prof. Lurz: Es gibt viele positive Momente in meiner noch jungen Laufbahn. Über vier Höhepunkte freue ich mich aber besonders: Ich bin Doktor (PhD) des University College London, jüngster apl. Professor am Herzzentrum Leipzig, habe 2018 den TCT Young Investigator Award erhalten und leite eine eigene Arbeitsgruppe mit vielen talentierten Forschern. Viele von ihnen habe ich in den letzten Jahren zur Habilitation gebracht. 

Fühlen Sie sich mehr als Forscher oder Arzt? 

Prof. Lurz: Ich fühle mich tatsächlich wie eine eng ­verflochtene Kombination aus beiden. Für mich persönlich sind beide Begriffe nicht voneinander trennbar.

Wie lässt sich die Forschung mit dem Arbeitsalltag als Arzt verbinden?  

Prof. Lurz: Es ist nicht immer einfach. Um effektiv zu forschen, ist viel Engagement auch außerhalb der Arbeitszeit notwendig. Allerdings sind die Übergänge fließend, denn wissenschaftliche Fragestellungen ergeben sich stets aus klinischen Problemen. Somit ist die Verbindung unabdingbar und viele Ideen bekommt man aus dem klinischen Alltag. Durch Forschung umgesetzt werden, müssen sie dann aber nach der Dienstzeit. 

Thema Forschung und Zukunft: Wo liegen besonders interessante Forschungsbereiche der Kardiologie?  

Prof. Lurz: Besonders interessant finde ich, den Bogen zu spannen zwischen evidenzbasierter Medizin und individualisierter Medizin. Das bedeutet: Die genaue Aufteilung eines Krankheitsbilds in verschiedene pathomechanistische Gruppen. Einfacher formuliert: Es gibt für scheinbar ähnliche kardiologische Krankheitsbilder ganz verschiedene Ursachen und Hintergründe, was wiederum ganz verschiedene Therapien notwendig macht. Dazu zählen Erkrankungen wie HFpEF. 

Interview: Sebastian Beintker

 

 

Der Vordenker und Mentor

Prof. Dr. med. Holger Thiele ist Direktor der Klinik für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig und berufener Universitätsprofessor an der Universität Leipzig. Er ist der wissenschaftliche Mentor von Prof. Lurz und weltweit führender Forscher auf dem ­Gebiet der Herz-Kreislauf-Medizin mit über 450 Publikationen und einem kumultativen Impactfaktor von rund 3.500. Prof. Thiele hat bereits eine ganze ­Reihe von leitlinienrelevanten Studien veröffentlicht. Darunter sind vier herausragende Veröffentlichungen im Fachmagazin New England Journal of Medicine, die weltweit neue Impulse gesetzt haben.