Herzfehler bei Kindern erhalten weltweit viel zu wenig wissenschaftliche Aufmerksamkeit

„Während Krebserkrankungen bei Kindern intensiv erforscht werden, werden Herzerkrankungen bei Kindern wissenschaftlich leider sehr vernachlässigt“, sagt Prof. Dr. med. Ingo Dähnert, Direktor der Universitätsklinik für Kinderkardio­logie. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass die Zielgruppe extrem klein ist (etwa 1 Prozent der Bevölkerung) und es sehr viele spezielle Einzelfälle mit ganz ­eigenen Phänomenen und Problemen gibt. Die traurige Wahrheit: Für die Industrie ist dieses kleine Feld nicht interessant. Deshalb existiert keine Lobby für Kinder mit angeborenen Herzfehlern.

Ein junges und sehr aktuelles Forschungsfeld

„Wir behandeln und erforschen angeborene Herzfehler bei Kindern seit 25 Jahren. Das Forschungsfeld ist deshalb vergleichsweise neu. Früher sind Kinder mit angeborenen Herzfehlern früh gestorben, ohne dass dazu eine wissenschaftliche Untersuchung stattfand“, sagt Prof. Dähnert.

Die ersten Patienten, die vor 25 Jahren im Herzzentrum Leipzig an einem angeborenen Herzfehler behandelt wurden, sind nun junge Erwachsene. Durch eine genaue wissenschaftliche Betrachtung der Patienten kann man jetzt wichtige Erkenntnisse gewinnen, die zukünftig Neugeborenen und Kindern mit ähnlichen Herz-Erkrankungen helfen können.

Top engagiert und wissenschaftlich eng vernetzt

Auch wenn Industrie und Politik den Bereich Kinder-Herz-Erkrankungen bislang nicht fördern, besteht dringender Handlungsbedarf. Deshalb zahlt das Leipzig Heart Institute im Rahmen des Projektes „Nationale Qualitätssicherung“ ­komplett selbst die Forschung und die Erhebung von wissenschaftlichen Daten im Bereich angeborener Herzfehler bei Kindern.

Zudem werden wissenschaftliche Erkenntnisse, die das Leipzig Heart Institute für erwachsene Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermittelt hat, mitunter auch für Kinder genutzt (vgl. S. 24 „Standards neu denken“). So werden zum Beispiel zukünftig immer mehr Eingriffe per Katheter und ohne Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Die Forschung zeigt, dass dies schonender ist als eine sehr belastende Opera­tion am offenen Herzen.

Zusätzlich ist das multizentrische Arbeiten mit anderen weltweiten wissenschaftlichen Zentren und Krankenhäusern im Bereich Kinder-Herz-Erkrankungen sehr wichtig. Das Leipzig Heart Institute ist beispielsweise Teil vom deutschlandweiten „Kompetenznetz Angeborener Herzfeh­ler“. Auch der Zugang zu fach­spezifischen Datenregistern wie MYKKE gehört zur festen Forschungsinfrastruktur des Leipzig Heart Institute.


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