Leiter der Studie: Dr. med. Christian Paech
Abteilung Kinderkardiologie, Herzzentrum Leipzig
Geplante Anzahl Patienten: 10
Geplante Dauer der Studie: 12 Monate

Angeborene Herzfehler bei Kindern sind in der Wahl der Behandlungsstrategie eine große Herausforderung für Betroffene, Ärzte und Angehörige. Bei besonders komplexen Herzfehlern müssen
lebensnotwendige Operationen und Eingriffe in mehreren Einzelschritten erfolgen. Bei Kindern mit einem angeborenen Einkammerherz ist das ärztliche Ziel dabei immer die Herstellung eines stabilen
Blutkreislaufs. Ist ein erforderlicher Eingriff aufgrund verschiedener Faktoren nicht möglich, so bleibt am Ende nur der palliative Weg: Die Erkrankung wird mit dem Leben vereinbar gemacht.

Modernste Medizin macht es möglich: Das TCPC-Verfahren gilt als wegweisend in der Behandlung von Einkammerherzen.
Beim TCPC-Verfahren (total cavo-pulmonale Anastomose) werden Lungen und Körperkreislauf schrittweise voneinander getrennt. Im ersten Schritt erfolgt mit der sogenannten Glenn-Anastomose die Umsetzung der oberen Hohlvene auf die Lungenschlagader. Die Zyanose, also die Blaufärbung der Haut durch verminderte Sauerstoffsättigung, kann so bereits vermindert werden.

Im nächsten Schritt erfolgt dann eine Umleitung des Blutes der unteren Hohlvene, meist durch eine extrakardiale Prothese ebenfalls zur Lungenschlagader. Eine vollständige Kreislauftrennung ist erfolgt.
Dieses operative Palliationsverfahren ermöglicht betroffenen Patienten ein Überleben mit guter Lebensqualität, jedoch bleibenden Beeinträchtigungen.

Nach der Operation: Sport hilft, die körperliche Fitness zu verbessern.

Schwimmen stellt überlicherweise eine vom Risikoprofil her sehr geeignete Sportart für Patienten mit Herzkreislauferkrankungen dar.
Aktuelle Richtlinien limitieren Einkammer-TCPC-Patienten nach dem Eingriff dabei jedoch stark. Bis heute gibt es keine ausreichende Literatur, die die vermuteten negativen oder potenziell schädlichen Auswirkungen des Schwimmens und Tauchens auf Patienten mit univentrikulärer Physiologie fördern könnte. In der vorliegenden Studie werden 10 Patienten mit einer angeborenen Herzerkrankung nach univentrikulärer Palliation
(TCPC) eingeschlossen. Die eingeschlossenen Patienten werden einer körperlichen Untersuchung, einer Anamnese, einem EKG und einer Echokardiographie unterzogen.

Die Patienten müssen sowohl laufende Belastungstests als auch Belastungstests im Schwimmkanal durchführen. Beide Test werden mit einer mobilen Spiroergometrie, einer Methode zur Leistungsermittlung durch die Analyse der Atemgase sowie der Auswertung der Atem,- Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselreaktionen mit und ohne Schwimmoption durchgeführt. Die Daten werden analysiert und physiologische Parameter der Wasser- und Landbewegung werden verglichen.

Stellt das Schwimmen für TCPC-Patienten gegenüber Bewegung auf
dem Land tatsächlich eine Belastung dar?

Das soll die vorliegende Studie herausfinden: den Grad der Übereinstimmung zwischen physiologischen Parametern der mobilen Spiroergometrie beim Laufen und beim Schwimmen und die Bewertung der Auswirkungen.

· Bewertung der Auswirkungen der Immersion auf hämodynamische Parameter
· Bewertung der Auswirkungen der Immersion auf die Parameter der Atmung

» Ich halte das für eine sehr originelle und wichtige Studie, die etwas hinterfragt, das bisher einfach
so als gegeben angenommen wurde, ohne dass dafür Daten vorhanden sind. Deshalb ist eine Studie, bei der die Veränderungen beim Schwimmen
unter Aufsicht und Kontrolle beobachtet und wissenschaftlich dokumentiert werden, etwas ganz Wichtiges.
Zum einen werden wir viel über die Besonderheiten des Fontankreislaufes lernen und zum anderen dann wirklich wissen, ob und unter welchen Bedingungen das
Schwimmen möglich, vielleicht sogar vorteilhaft oder wirklich mit Problemen behaftet ist und welche Risiken das im Einzelnen sind «

Prof. Dr. Ingo Dähnert, Chefarzt der Universitätsklinik
für Kinderkardiologie am Herzzentrum Leipzig