STUDIE: ECLS-SHOCK

LEITENDER ARZT: Prof. Dr. Holger Thiele, Universitätsklinik für Kardiologie-Helios Stiftungsprofessur, holger.thiele@helios-gesundheit.de
holger.thiele@medizin.uni-leipzig.de

DIE MULTIZENTRISCHE ECLS-SHOCK-STUDIE UNTERSUCHT AN 50 ZENTREN IN EUROPA DIE OPTIMALE THERAPIE BEI KARDIOGENEM SCHOCK UND WILL DAMIT ZUKÜNFTIG DIE LEITLINIEN DIREKT BEEINFLUSSEN

In zirka zehn Prozent der Fälle ist bei Patienten mit einem akuten Herzinfarkt die Leistung des Herzens so stark eingeschränkt, dass dessen Pumpleistung die Versorgung der lebensnotwendigen Organe mit Blut nicht mehr ausreichend sicherstellen kann. Es entwickelt sich in der Folge ein kardiogener Schock, also eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Trotz großer Bemühungen, die Behandlung zu optimieren, versterben heute immer noch 40 bis 50 Prozent der Patienten mit diesem Krankheitsbild.

Bei der ECLS-SHOCK-Studie handelt es sich um eine prospektiv randomisierte multizentrische Studie, bei der zwei verschiedene Therapiestrategien bei Patienten mit infarktbedingtem Schock verglichen werden. Grundsätzlich steht bei allen Patienten die schnellstmögliche Wiederöffnung des Herzkrankgefäßes mittels Stentimplantation oder eine Überbrückung mittels Bypass-Operation im Vordergrund. Parallel wird der Kreislauf der Patienten durch eine optimale medikamentöse Therapie unterstützt.

In der ECLS-SHOCK-Studie bekommt die Hälfte der Patienten zusätzlich eine mechanische Kreislaufunterstützung mittels „Extrakorporaler Membranoxygenierung“ (ECMO), im Englischen auch „Extracorporal Life Support“ (ECLS). Dabei handelt es sich um eine Art kleine Herz-Lungen-Maschine, welche über die Leistengefäße angeschlossen wird. Eine Pumpe außerhalb des Körpers unterstützt die Herzarbeit. Über eine Membran wird das Blut in der Maschine zusätzlich mit Sauerstoff angereichert. Die andere Hälfte der Patienten erhält lediglich eine optimale medikamentöse Therapie.

Prof. Dr. Holger Thiele

Auch wenn die ECMO bereits häufig klinisch zum Einsatz kommt, fehlen Studiendaten, um diesbezüglich eine Behandlungsempfehlung zu geben. Dem möglichen Nutzen, dem Herzen Zeit zu geben, die erforderliche Pumpleistung wieder selbst zu generieren, steht das Risiko für schwere Komplikationen wie Blutungen, Infektionen und Gefäßverschlüsse gegenüber. Insgesamt werden 420 Patienten in die Studie eingeschlossen. Im Verlauf werden die beiden Patientengruppen hinsichtlich ihres Überlebens bis 30 Tage nach dem Ereignis verglichen. Weiterhin werden Endpunkte wie die Dauer der intensivmedizinischen sowie der gesamten Therapie im Krankenhaus, Komplikationsraten und die Lebensqualität der Patienten analysiert.

Die Studie soll an insgesamt etwa 50 Zentren in Deutschland durchgeführt werden. Von diesen sind bisher knapp die Hälfte initiiert (Stand: 02/2020) und weitere stehen in den Startlöchern. Mittlerweile ist die Studie weltweit bekannt und es gehen Anfragen weiterer Zentren ein, die sich gern an dieser wichtigen Studie beteiligen möchten. In Kürze wird die Studie durch ein weiteres Zentrum in Ljubljana (Slowenien) international rekrutieren.

Die Studie stellt durch die Komplexität des Krankheitsbildes und wegen der ethisch-rechtlichen Hürden eine besondere Herausforderung dar.

Wir stellen uns diesem Thema im Auftrag einer evidenzbasierten Medizin und erwarten durch die Ergebnisse eine Beeinflussung der aktuellen Behandlungsleitlinien.

Von der Studiengruppe um Prof. Dr. Holger Thiele sind bisher die größten randomisierten Studien zum kardiogenen Schock durchgeführt worden. Sie ist für diesen Bereich derzeit weltweit führend und alle früheren Studien der Studiengruppe haben die Leitlinien direkt beeinflusst. Mit der ECLS-SHOCK-Studie wird wieder ein neuer Meilenstein in der Behandlung des kardiogenen Schocks gesetzt.

clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT03637205