LEITENDE ÄRZTIN: Dr. Micaela Ebert, Assistenzärztin, Abteilung Rhythmologie, micaela.ebert@helios-gesundheit.de

Dr. Micaela Ebert
INTERNATIONALE KOOPERATIONEN ZUR VERBESSERUNG DES MANAGEMENTS UND DER THERAPIE VON PATIENTEN MIT VENTRIKULÄREN TACHYKARDIEN UND NICHT-ISCHÄMISCHER KARDIOMYOPATHIE

Die aktuelle Studienlage zur Behandlung von Patienten mit ventrikulären Tachykardien (VT) fußt im Wesentlichen auf Forschungserkenntnissen aus dem Bereich der ischämischen Kardiomyopathie (ICM). Bei Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie (NICM) besteht bislang noch unzureichend Kenntnis darüber, inwiefern sich die elektrophysiologische Therapie von Patienten mit ICM unterscheiden sollte, um letztlich die bisweilen noch deutlich schlechtere Prognose zu verbessern. Dabei bestehen nicht nur in der Ätiologie wesentliche Unterschiede, sondern auch in der Architektur und Ausprägung der myokardialen Fibrose, die die Grundlage für das arrhythmogene Substrat bzw. die Entstehung für Kammer-Rhythmusstörungen bildet.

Multizentrische Studie wagt differenzierten Blick für zielgerichtetere Therapie

Um mehr Kenntnis über die zugrundeliegenden Mechanismen, Patientencharakteristika, interventionellen Behandlungsstrategien, Endpunkte und Langzeitergebnisse der VT-Ablation bei NICM zu gewinnen, schloss sich das Herzzentrum Leipzig einer durch die Universität Leiden (Niederlande) initiierten, prospektiv multizentrischen Studie (ClinicalTrials.gov identifier NCT01940081) an.

Erste Ergebnisse wurden 2018 und 2019 u.a. beim European Heart Rhythm Association (EHRA) Kongress präsentiert. Neben der Auswertung elektrophysiologischer Daten wurde auch ein Forschungsschwerpunkt auf bildmorphologische, molekularbiologische und genetische Analysen gelegt.

ZIEL IST DABEI DIE JEWEILIGEN ÄTIOLOGIEN INNERHALB DES SAMMELBEGRIFFES ARRYHTHMOGENE NICM BESSER ZU DIFFERENZIEREN UND ZIELGERICHTETER BEHANDELN ZU KÖNNEN.

Diesem Forschungsschwerpunkt hat sich Frau Dr. med. Micaela Ebert, Kardiologin der Abteilung für Rhythmologie und Koordinatorin der „Leiden Nonischemic Cardiomyopa- thy Study“ für den Standort in Leipzig, während eines zweijährigen Forschungsaufenthaltes in Leiden, den das Leipzig Heart Institute mitfinanzierte, gewidmet. Für die Untersuchung des Einflusses genetischer NICM-Varianten auf die Langzeitprognose ventrikulärer Rhythmusstörungen nach Ablation wurde sie 2018 als Preisträgerin des Young Investigator Awards der European Heart Rhythm Association ausgezeichnet.

Im Rahmen der engen Kooperation zwischen Leiden und Leipzig entstand in den vergangenen Jahren ein großes Netzwerk zahlreicher internationaler Kompetenzzentren mit dem Schwerpunkt der differenzierten Diagnostik und Therapie komplexer (Kammer-) Rhythmusstörungen. So konnte z.B. in Zusammenarbeit mit der Universität in Padua u.a. mit Hilfe genetischer Daten aus Leipzig eine neue pathogenetische Variante für die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC) identifiziert werden. Weitere Folgeprojekte befinden sich im Publikationsprozess. Sie werden künftig dazu beitragen, die Evaluation, das Management und die Therapie von Patienten mit ventrikulären Arrhythmien und zugrundeliegender NICM diverser Ursachen maßgeblich zu verbessern.

ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCGEN.118.002123 doi.org/10.1016/j.jacep.2020.04.025).