Dr. Nikolaos Dagres

» Die aktuellen Strategien sind unbefriedigend, weil ein Großteil der Patienten, der den Defibrillator bekommt, ihn letztendlich nie brauchen wird.«

 

STATUS: gestartet 1.1.2020

FINANZIERUNG: Finanziert von der Europäischen Kommission über das Horizon 2020 Programm mit 19,88 Mio. € Gesamtkosten (einschließlich Nicht­EU finanziert: 23,38 Mio. €)

PATIENTEN: 1 MIO.

TEILNEHMENDE KLINIKEN: >160

LEITENDER AZRT: Privat-Dozent Dr. Nikolaos Dagres, Charfarzt der Abteilung für Rhythmologie, Universitätsklinik für Kardiologie- Helios Stiftungsprofessur, nikolaos.dagres@helios-gesundheit.de

Dr. Dagres, Sie sind Studienleiter der wegweisenden Studie PROFID: Wieso ist diese Studie aus Patientensicht so wichtig und was macht sie aus medizinischer Sicht interessant?

Dagres: Diese Studie ist für die Versorgung unserer Patienten extrem wichtig. Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache. Mit dem sogenannten Defibrillator verfügen wir über eine sehr effektive Vorbeugungsmethode. Wir können aber nicht richtig einschätzen, welche Patienten damit vor dem plötzlichen Herztod geschützt werden können. Die aktuellen Strategien sind unbefriedigend, weil ein Großteil der Patienten, der den Defibrillator bekommt ihn letztendlich nie brauchen wird. Auf der anderen Seite ereignet sich die Mehrzahl der Fälle von plötzlichem Herztod in der Patientengruppe, die gemäß den aktuellen Leitlinien gar nicht geschützt wird, weil wir deren Risiko nicht abschätzen können. Das wollen wir mit PROFID ändern und eine personalisierte Einschätzung des Risikos für plötzlichen Herztod und des Nutzens des Defibrillators einführen. Damit erhoffen wir uns eine stark verbesserte Versorgung unserer Patienten.

Wird „machine learning“ die medizinische Forschung in den nächsten Jahren Ihrer Meinung nach wesentlich verändern? Dagres: Das ist schwierig zu beantworten. Neuere Methoden wie das „machine learning“ scheinen vielversprechend zu sein und ermöglichen Analysen von großen Datenmengen, die mittlerweile verfügbar sind und die bisher mit traditionellen Methoden kaum durchführbar waren. Es scheint auf jeden Fall ein Riesenpotenzial darin zu liegen. Ob sich aber diese Erwartungen bestätigen, müssen wir abwarten.

Wenn Sie einen Herzenswunsch frei hätten: Welchen Bereich
der Rhythmologie würden Sie neben PROFID gerne noch weiter erforschen?

Dagres: Der Bereich des plötzlichen Herztods ist wahrscheinlich der Wichtigste, weil in diesem Bereich auch die größten Vorteile für unsere Patienten erzielt werden können. Außer diesem finde ich als Rhythmologe den Bereich Vorhofflimmern sehr wichtig. Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung und hat große Konsequenzen für Patienten und Gesundheitswesen. Aber auch in diesem Bereich sind wir im Herzzentrum sehr aktiv, sowohl in der klinischen Versorgung der Patienten, als auch in der Forschung.

 

This project has received funding from
the European Union’s Horizon 2020 research and innovation
programme under grant agreement No 847999